Drei Spiele, drei Siege, Tabellenplatz eins. Die Bayernliga-Damen des FSV Marktoffingen bauen ihre makellose Bilanz weiter aus und grüßen auch nach ihrem dritten Saisonauftritt von ganz oben. Doch wer glaubt, die Rieserinnen würden sich auf ihrem Höhenflug gemütlich zurücklehnen können, der irrt. Beim Auswärtsspiel gegen die Volleyballspielgemeinschaft aus München, Eiselfing und Unterhaching mussten sie über die volle Distanz von fünf Sätzen gehen, Nerven beweisen und zwischenzeitlich auch den einen oder anderen Rückschlag verdauen. Am Ende stand ein hart erkämpfter 3:2-Erfolg, der einmal mehr zeigte, dass die FSV Damen nicht nur Volleyball spielen, sondern auch kämpfen können .Und das, obwohl oder gerade weil sie weiterhin auf ihre beiden etatmäßigen Mittelangreiferinnen verzichten müssen. Was auf dem Papier nach einer großen Schwächung aussieht, entwickelt sich auf dem Feld zunehmend zu einer ganz eigenen Siegergeschichte.
Dabei begann die Partie alles andere als nach Maß. Ehe die Marktoffingerinnen überhaupt richtig im Spiel angekommen waren, lagen sie bereits mit 0:5 zurück. Ein Fehlstart, der erst einmal verdaut werden musste. Doch anstatt sich vom frühen Rückstand aus der Bahn werfen zu lassen, fanden die Rieserinnen Schritt für Schritt zurück in die Begegnung. Druckvolle Aufschläge brachten die gegnerische Annahme ins Wanken, während ein taktischer Doppelwechsel mit Jenny Stempfle und Eva Maria Schröter neue Impulse setzte. Plötzlich war die Partie wieder offen, der Rückstand Geschichte und der FSV auf einmal am Drücker. Mit einer starken Aufholjagd drehten die Gäste den ersten Satz noch zu ihren Gunsten.
Doch die Euphorie hielt zunächst nicht lange an. Im zweiten Durchgang schlichen sich unnötige Eigenfehler ein, die nötige Ruhe ging verloren und die Gäste esfanden nur schwer in ihren Rhythmus. Zwar entwickelten sich immer wieder lange, umkämpfte Ballwechsel, doch allzu oft hatte Eiselfing das bessere Ende für sich. Es war, als hätten die Rieserinnen für einen Moment den Glauben an die eigene Stärke verloren. Der Satz ging verloren, und plötzlich war sie wieder da, diese leise Unsicherheit, die sich nach einem guten Start so schnell in die Köpfe schleichen kann.
Mit klaren Ansagen und einem mentalen Wachrütteln in der Satzpause gelang es dem Trainerduo, die Mannschaft aus ihrem Tief herauszuholen. Und die Antwort auf dem Feld ließ nicht lange auf sich warten. Die Aufschläge wurden wieder druckvoller, die Abwehr war hellwach und aus den zuvor zähen Ballwechseln wurden zunehmend klare Aktionen zugunsten der Rieserinnen. Jeder gerettete Ball, jeder erfolgreiche Angriff brachte das Selbstvertrauen zurück. Besonders das Zusammenspiel von Marie Deißler und ihren Außenangreiferinnen sorgte immer wieder für sehenswerte Punkte. Marktoffingen hatte seinen Rhythmus wiedergefunden und sicherte sich den dritten Satz mit einer überzeugenden Leistung.
Doch wer dachte, damit sei der Widerstand gebrochen, hatte die Rechnung ohne die Gastgeberinnen gemacht. Im vierten Durchgang gerieten die FSV-Damen immer wieder in Rückstand. Vor allem über Außen brachte Eiselfing seine harten Angriffe erfolgreich durch und hielt den Druck hoch. Doch der FSV stemmte sich dagegen, kämpfte um jeden Ball und wollten sich den möglichen Auswärtssieg nicht mehr aus der Hand nehmen lassen. Mit einer Aufschlagserie von Lisa müller kämpften sie sich noch einmal heran. In der Schlussphase wurde es dramatisch: Mutige Angriffe sollten die Entscheidung bringen, doch diesmal fehlte das letzte Quäntchen Glück. Mit 24:26 ging der Satz denkbar knapp verloren. Der fünfte Durchgang musste entscheiden.
Und dieser sollte noch einmal alles bereithalten, was Volleyball so nervenaufreibend und mitreißend macht. Zunächst liefen die Marktoffingerinnen erneut einem kleinen Rückstand hinterher, doch beim Seitenwechsel hatten sie das Spiel bereits wieder gedreht und lagen mit 8:7 vorne. Nun war jeder Ball Gold wert. Stefanie Stimpfle setzte mit ihren Aufschlägen wichtige Akzente, ehe Marie Deißler zum entscheidenden Endspurt ansetzte. Mit einer weiteren Aufschlagserie brachte sie ihr Team endgültig auf die Siegerstraße. Als der letzte Punkt fiel, war die Erleichterung entsprechend groß: Der dritte Sieg im dritten Spiel war geschafft!
„Die Mannschaft zeichnet aus, dass jede Spielerin im richtigen Moment über sich hinauswächst“, brachte Trainer Wizinger die besondere Stärke ihrer Mannschaft auf den Punkt. Eine Stärke, die sich gerade in schwierigen Situationen zeigt. Denn auch wenn die Personalsituation weiterhin alles andere als einfach ist, wächst beim FSV etwas zusammen, das sich nicht allein in Punkten und Tabellenplätzen messen lässt: der Glaube aneinander und die Überzeugung, dass auch unter schwierigen Bedingungen Großes möglich ist. Vor allem dieser Fünf-Satz-Krimi dürfte ihnen gezeigt haben, dass sie sich ihre Erfolge erarbeiten müssen. Und genau darin liegt vielleicht das größte Ausrufezeichen dieses Auswärtssiegs.