Was geht einem als Volleyballer durch den Kopf, wenn man bereits mit 0:1 Sätzen zurückliegt und im zweiten Durchgang beim Stand von 5:13 eigentlich schon mit dem Rücken zur Wand steht? Aufgeben oder aufstehen. Resignieren oder reagieren. Genau in solchen Momenten entscheidet sich, wer man als Team wirklich ist. Entweder man akzeptiert das drohende Schicksal – oder man nimmt sich frei nach ABBA „The winner takes it all – the loser standing small“ zu Herzen, schüttelt Zweifel und Müdigkeit ab und startet eine Aufholjagd, die mehr mit Mentalität als mit Taktik zu tun hat. Die Damen 1 des FSV Marktoffingen entschieden sich für Letzteres und schrieben gegen den MTV Rosenheim II ein weiteres Kapitel Kampfgeist und unbändigem Siegeswillen. Mit kleinem und angeschlagenem Kader bewiesen die Rieserinnen einmal mehr, warum aufgeben in dieser Bayernliga Saison keine Option ist. Am Ende stand ein umjubelter 3:2-Erfolg – und die Rückkehr auf Tabellenplatz drei.
Dabei sah es lange Zeit nicht nach einem Happy End aus. Wie schon im Hinspiel verschlief der FSV den Auftakt komplett. Unpräzise Aktionen, zu viele Leichtsinnsfehler und fehlende Durchschlagskraft im Angriff sorgten dafür, dass Rosenheim früh die Kontrolle übernahm. Mit 25:16 ging der erste Satz deutlich an die Gäste – ein ernüchternder Start.
Auch im zweiten Durchgang tat sich Marktoffingen zunächst schwer. Trotz personeller Umstellung mit Stefanie Stimpfle und Jenny Stempfle blieb das Spiel der Rieserinnen zu passiv, Rosenheim zog auf 13:5 davon. Doch genau in diesem Moment begann die Wende. Mehrere starke Aufschlagserien allen voran von Laura Geiß und Eva Maria Schröter brachten den FSV zurück ins Spiel. Mit wachsender Sicherheit im Zusammenspiel, mutigeren Angriffen und spürbar mehr Energie kämpfte sich Marktoffingen Punkt für Punkt heran und drehte den Satz tatsächlich noch zu eigenen Gunsten. Satz drei wurde zum echten Abnutzungskampf. Jeder Punkt musste hart erarbeitet werden, geschenkt wurde nichts. Ein früher Rückstand (4:8) wurde zum 15:15 ausgeglichen, doch Rosenheim fand erneut Antworten und entschied den Satz mit 25:20 für sich. Wieder lag der FSV zurück – wieder war mentale Stärke gefragt. Und diese kam postwendend im vierten Satz. Hier präsentierten sich die Marktoffingerinnen hochkonzentriert und konsequent. Von Beginn an erspielten sie sich einen kleinen Vorsprung, den sie mit druckvollen Aufschlägen, stabiler Annahme und entschlossenem Angriffsspiel kontinuierlich ausbauten. Die Abwehr arbeitete hellwach, jeder Ball wurde verfolgt, jeder Punkt gefeiert. Der verdiente Lohn: der Satzausgleich – das Spiel ging in den Tiebreak.
Was dort folgte, war pure Willenskraft.
Mit einer starken Aufschlagserie von Stefanie Stimpfle und einer kompromisslosen Abwehrleistung legte der FSV einen furiosen Start hin und erspielte sich einen unglaublichen 10:0-Vorsprung. Zwar kamen die Gäste noch einmal heran, doch Marktoffingen behielt die Nerven und machte mit 15:12 den Sieg perfekt. Trainer Sven Wachsmann fasste es treffend zusammen:„Wir mussten uns erst mit Aktionen einzelner Spielerinnen wachrütteln, um mit voller Leistung auf dem Feld zu stehen. Ab dann war es eine echte Teamleistung.“
Mit diesem Kraftakt schiebt sich der FSV zurück auf Tabellenplatz drei. Bereits am kommenden Samstag wartet mit dem TV Bad Grönenbach der direkte Tabellennachbar.