Es war kein gewöhnlicher Spieltag. Es war das letzte Auswärtsspiel der Saison und genau mit diesem Bewusstsein gingen die Damen 1 des FSV Marktoffingen in die Partie. „Nicht 100, sondern 120 Prozent. Jeden Punkt feiern, als wäre es der letzte. Die Halle zum Kochen bringen.“ Mit diesen Worten hatte Trainerin Theresa Wizinger ihr Team in den Trainingseinheiten zuvor eingeschworen. Das Ziel war klar: Die Niederlage aus dem letzten Heimspiel aus den Köpfen streichen, den Fokus neu justieren und mit voller Energie ins letzte Saisonviertel starten. Und genau das taten sie. Am Samstagnachmittag dauerte es in der Augsburger Zwölf-Apostel-Halle keine Stunde, ehe der deutliche 3:0-Erfolg gegen Aufsteiger DJK Augsburg Hochzoll II unter Dach und Fach war. Die Gastgeberinnen kämpften wacker, gaben keinen Ball verloren, doch an diesem Tag war schlichtweg kein Kraut gegen die Rieserinnen gewachsen. Von Beginn an präsentierte sich der FSV hellwach, konzentriert und mit einer beeindruckenden Klarheit im eigenen Spiel. Was im Heimspiel noch gefehlt hatte, war nun wieder voll da: maximaler Druck im Aufschlag. Serie um Serie setzte Marktoffingen, allen voran hier Eva-Maria Schröter die Annahme der Augsburgerinnen unter Stress, zwang sie zu unsauberen Lösungen und generierte dadurch zahlreiche Dankeballsituationen – und die wurden „wie Sahne“ verwandelt. Die eigene Annahme hingegen stand bockstark. Libera Jana Fix zeigte erneut, warum sie für diese Mannschaft so wertvoll ist, reaktionsschnell und mit enormer Präsenz im Hinterfeld. Auf dieser sicheren Basis konnten Marie Deißler und Jenny Stempfle ihr Zuspiel nahezu bilderbuchmäßig verteilen. Schnell, variabel, mit perfektem Timing. Alle Kombinationen funktionierten, Angriffe über Außen, Mitte und Hinterfeld griffen ineinander – Augsburg wurde phasenweise regelrecht schwindelig gespielt. Besonders präsent hierbei: Kapitänin Kristin Löfflad. In allen Spielelementen übernahm sie Verantwortung, pushte ihr Team und verkörperte an diesem Nachmittag den Inbegriff einer Führungsspielerin. Die Sätze selbst spiegelten die Dominanz wider. Der FSV spielte fast fehlerfrei, während Augsburg zunehmend unter dem konstanten Druck litt und selbst vermehrt Eigenfehler produzierte. Und genau darin zeigte sich ein weiterer Schlüssel: Wenn eine Mannschaft viele eigene Fehler macht, kommt sie schlichtweg nicht ins Spiel – ein Mechanismus, der an diesem Nachmittag klar zugunsten der Marktoffingerinnen arbeitete. Satz 1 mit 25:15 und Satz 2 mit 25:11 sprechen hierbei eine deutliche Sprache. Auch die genommene Marktoffinger Auszeit bei einer Führung von 17:9 zeigt die Dominanz der Rieserinnen an diesem Tag. Doch es war nicht nur die spielerische Qualität, die diesen Auftritt auszeichnete. Es war die Körpersprache, die Energie, ja das gemeinsame Auftreten. Jeder Punkt wurde gefeiert, jede erfolgreiche Aktion mit Emotionen unterlegt. Die zahlreich mitgereisten Fans in auswärtiger Halle taten ihr Übriges um diesen Spieltag fast zu einem Heimspiel zu machen. Mit einem weiteren deutlichen Vosprung ging auch der dritte Durchgang mit 25:18 an die FSVlerinnen. Mit dem klaren 3:0-Sieg haben die FSV-Damen nicht nur drei wichtige Punkte eingefahren, sondern vor allem ein deutliches Signal gesetzt und auf Rang 3 gehalten. Die spielfreie Zeit wurde genutzt, um die Köpfe freizubekommen und den Fokus neu zu schärfen. Jetzt geht es mit Rückenwind in die entscheidende Phase der Saison. Wenn die Marktoffingerinnen dieses Niveau halten mit Druck im Aufschlag, Stabilität in Annahme und Abwehr und dieser geschlossenen Teamleistung dann darf man gespannt sein, was die letzten drei Heimspiele noch mit sich bringen.Eines steht fest: In Augsburg haben sie gezeigt, was möglich ist, wenn 120 Prozent nicht nur ein Motto, sondern gelebte Realität sind.